TAIPAN
Fahreindrücke von
ATV-fuel Moderator Rainer:
"Das ernüchternde
gleich zu Anfang.
Groß sollte man
nicht sein, viel Platz gibt es nicht.
Luxus- oder
Schnick-schnack-Vorstellungen sind auch hinderlich, sie werden nicht
erfüllt.
Ach ja, ein weiterer
Punkt sollte vorher angedacht und am besten aus dem Weg geräumt werden:
Angst.
Der Taipan ist kein
Spielzeug, kein Gadget, dass den Freunden präsentiert wird, mit den
Worten: „Jaaa, du das hab ich mir geleistet. Wie? Jaja, ganz nett.“ Im
Gegenteil. Am besten man verliert kein Wort über ihn, den es könnte
sein, dass beim erzählen die vorher einstudierte Mimik fällt und man vor
lauter Nachfolge-Adrenalin zu weinen beginnt.
Den Taipan zu
erklären ist sehr schwer, ich versuche es trotzdem.
Die Worte eines
Mannes, der das Licht gesehen hat:
Es ist ja nicht so,
dass ich keine Autos kenne. Als Motorjournalist hat man es mit dem einen
oder anderen wirklich netten Boliden zu tun. Bentley Supersports,
Lamborghini LP 570-4, AMG E63 um nur ein paar zu nennen. All diese vier
Millionen Euro Dinger haben aber eines gemein, sie alle sind mehr zahme
Kätzchen, als wilde Tiger im Vergleich zum Taipan.
Denn der Taipan ist
anders. Von außen nicht höher als ein Kleinkind, sieht er schlicht aus,
nicht unscheinbar, schlicht. Der 5,7 Liter V8 Corvette-Motor hinter der
GFK-Abdeckung zeigt: das ist kein Firlefanz. Innen wird es nicht gerade
besser. Ein fetter, schwarzer Edelstahlrohrrahmen durchzieht das
Cockpit, das so geräumig und einladend ist, wie eine Schuhschachtel. Die
Amaturen und Sitze sind, nun ja, zwar vorhanden aber so stylisch, wie
ein Röhrenfernseher aus den 80igern.
Ich zwänge mich
hinein und komme mir vor wie Gulliver im Zwergenland. Die
Windschutzscheibe ist klein, die Seitenspiegel kleiner und das Fenster
hinter meinen Kopf lässt ausschließlich den Blick auf das Herzstück zu.
Die Pedalerie ist eng und ich frage mich, was als nächstes kommt. Ich
blicke auf den Zündschlüsselslot und zähle eins und eins zusammen. Ich
drehe den Schlüssel um und plötzlich ist es da… das Gefühl, IN einem
Biest zu sitzen, in einer der gefährlichsten Schlangen der Welt. Das
Porsche 5-Gang Getriebe ist anfangs sehr angenehm, ich rolle aus dem
Parkplatz mit einer Soundkulisse, wie es The Greatful Dead mit der „Wall
of Sound“ nicht zusammen gebracht hat. Der Bolide hat weder ESP noch
ABS, ganz zu Schweigen von einem Bremskraftverstärker, purer
Schwerstarbeit. Beim ersten Gasstoß fängt mein Körper an, zu
rebellieren. Ich beginne zu schwitzen und die Röte schießt mir ins
Gesicht. Ich kralle mich ins Lenkrad und presse mich in den Sitz. Binnen
weniger Minuten wird es – bedingt durch den Motor, der direkt hinter mir
sitzt – richtig heiß und ich schmunzle: „so kann man die Sitzheizung
auch lösen“. Der Durchzug ist so gewaltig, dass ich als Fahrer Angst
kriege. Die Schlange werkt, die Karosserie arbeitet, das Fahrwerk ist
lebendig und wenn man nicht zu 100 Prozent bei der Sache ist, dann wär
es besser, stehen zu bleiben, kurz zu weinen und einfach wegzugehen. Der
1000 kg leichte Supersportler krallt sich in den Boden, wie ein Panzer
und schnellt die Kilometer vor, wie Usain Bolt mit Raketenantrieb. Wie
es das Auto geschafft hat, für die Straße zugelassen zu werden ist mir
ein Rätsel. Ich denke da ans 24 Stundenrennen von LeMans oder Nürburg.
Ich bin glücklich.
Und froh. So ein Auto DARF keinen luxuriösen Innenraum haben, es darf
kein ESP oder ABS haben. Der Taipan ist die absolute Quintessenz des
Rennsports… auf der Straße.
Möchte ich das Auto
vergleichen, dann bietet sich kein Straßengegenstück an.
Die F-16 da schon
eher. Agil, wendig und im höchsten Maße gefährlich. Fehler verzeiht das
Ding genauso wenig, wie ein schwaches Gemüt. Herr Ferrari, Herr
Lamborghini, ich würde ihnen bitte die Türe zeigen, denn das ist nichts
für kleine Kinder.
Um ihnen ein genaues
Grenzwertverhalten zu schildern, da bin ich der Falsche. Ich rate Ihnen,
reden sie mit LeMans-Fahrern oder Kampffliegern, denn – und ich dachte
nicht, dass ich das jemals sage – dafür sind meine Eier entschieden zu
klein."